In unserer kommenden Einzelausstellung zeigen wir Originale des aboriginal australischen Künstlerehepaars Moima Willie & Willie Gudabi aus Ngukurr, Northern Territory, Australien.
Moima Willie geb. Samuels (Wuyagiba and Yellow Water Billabong, Northern Territory ca. 1935 – 2014 Ngukurr, Northern Territory) wächst in einer anglikanischen Missionsstation auf und hat zunächst wenig Zugang zu ihrer eigenen Kultur, kennt ihre Muttersprache nicht und weiß nur wenig über die Zeremonien und Geschichten ihres Volkes.
Willie Gudabi (Nutwood Downs Station, Northern Territory ca. 1916 – 1996 Ngukurr, Northern Territory) ist ein hochrangiger Ältester und Zeremonienmeister des Alawa-Volkes. Er gehört zu den bedeutenden Künstlern der ursprünglichen Ngukurr-Kunstschule und ist Ende der 1980er Jahre Mitgründer der Ngundugunya Association of Artists. Er experimentiert mit Siebdruck, malt dann mit Acrylfarben auf Leinwand und entwickelt dabei einen ausgefeilten, energiegeladenen Stil.
Die Arbeiten von Moima Willie und Willie Gudabi lassen sich als traditionelle Landkarten lesen und zeigen komplexe Geschichten über Tiergesetze, Beschneidungs- und Bestattungszeremonien und Liebeslieder. Die Kompositionen sind reich an Ereignissen und Symbolik; die Bilder erzählen von Totem- und Traumzeitgeschichten, zeigen Schildkröten, Bullenameisen, Heilpflanzen, Schlangen und tanzende Frauen.
Gemeinsam schaffen die beiden außergewöhnlich lebendige Gemälde; Willie Gudabi stellt häufig die Tiergesetze dar, während Moima Willie Liebesgeschichten mit Totemtieren, Vögeln und Fischen ergänzt.
Diese erzählerischen Darstellungen dienen zur Erläuterung, Aufrechterhaltung, Vermittlung und Verteidigung der Geschichten und Gesetze. So werden die Legenden und Mythen richtig verstanden und festgehalten. Ähnlich wie die vielschichtigen Bedeutungen in Gudabis mündlichen Erzählungen entfalten auch die Gemälde je nach dem Wissen des jeweiligen Betrachters unterschiedliche Ebenen der Offenbarung.
Die Farben im geistigen Auge und in der Vorstellungskraft der beiden, die ihr Land und ihre Kultur auf ihren bemerkenswerten Bildern zum Ausdruck bringen, bilden einen Präzedenzfall in der Kunst der australischen First Nations. Zusammen mit anderen in Ngukurr ansässigen Künstlern, von denen viele weit entfernt von ihrem angestammten Land leben, haben sie sich als große zeitgenössische australische Künstler etabliert.
Geschichte der Ngukurr-Kunstschule
Die Missionsstation Roper River im Südosten von Arnhem Land wird 1968 durch eine Regierungsbehörde abgelöst; der Name lautet seitem Ngukurr – „Ort der vielen Steine“. Historisch gesehen war Ngukurr in den Jahren extremer kolonialer Übergriffe, einschließlich Massakern, ein Sammelpunkt für Menschen verschiedener Sprachgruppen. Diese vielfältige Bevölkerung spiegelt sich in den radikal unterschiedlichen Werken der älteren Künstler wider, die Ende der 1980er Jahre in Ngukurr hervortreten.
1987 startet das Open College of TAFE in Katherine eine Initiative zur Erwachsenenbildung in Ngukurr. Im alten Krankenhausgebäude in der Beat Street, das als „Painting Shed“ bekannt wird, richtet man Räumlichkeiten für Siebdruckkurse ein. Die Einführung farbiger Druckfarben inspiriert die Einheimischen, darunter Willie Gudabi, Djambu Barra Barra und Ginger Riley Munduwalawala, in besonderem Maße.
1989 übernimmt die örtliche Grundschule die künstlerische Leitung für das Open College of TAFE in Katherine.
Einzelausstellungen (Auswahl)
1990 William Mora Galleries, Melbourne, Victoria, Australia in Zusammenarbeit mit der Alcaston House Gallery, Melbourne, Victoria, Australia
1991 Aboriginal Arts Australia, Sydney, New Couth Wales, Australia n Zusammenarbeit mit der Alcaston House Gallery, Melbourne, Victoria, Australia
1992 Alcaston House Gallery, Melbourne, Victoria, Australia
1993 Alcaston House Gallery, Melbourne, Victoria, Australia
2002 "Willie Gudabi & Moima, previously unseen works on paper", Alcaston Gallery, Melbourne, Victoria, Australia
2018 "Willie Gudabi and Moima Willie: Stories from the Cox and Roper Rivers - An Archive Survey", Alcaston Gallery, Melbourne, Australia
Ehrungen und Preise (Auswahl):
1993 Gold Coast Art Prize, Gold Coast City Gallery, Surfers Paradise, Queensland, Australia
1993 The Alice Prize, Araluen Art Centre, Alice Springs, Northern Territory, Australia
Sammlungen (Auswahl):
Literatur (Auswahl)
Fotos: courtesy Beverly Knight